Personifikationen Exponate

Die Vermählung des heiligen Franziskus mit der Armut

Materielles Gut

Eine Hochzeit!

Auf einem Hügel vor goldenem Grund steht das Brautpaar, rechts und links hat sich die illustre Festgesellschaft versammelt. Der Bräutigam ist der heilige Franziskus, Begründer des Franziskanerordens, Mönch und damit der Ehelosigkeit verpflichtet. Dennoch wird seiner Vermählung die höchste Ehre und Gnade zuteil, denn sie wird von Christus persönlich geschlossen. Doch wer ist die Braut?

Vierungsgewölbe der Unterkirche von San Francesco in Assisi
akg-images / Stefan Diller

Die Braut trägt Lumpen

Giotto zeigt uns in der Deckenmalerei die Vermählung des heiligen Franziskus mit der Personifikation der Armut. In geflickte Lumpen gekleidet, wie die Mitglieder des franziskanischen Bettelordens mit einem Strick gegürtet und mit harten Gesichtszügen unterscheidet Paupertas sich deutlich von den anderen Figuren in ihrer Nähe, die alle kostbar gewandet sind – mit Ausnahme des Mönchs natürlich, der die schlichte dunkle Ordenskutte trägt. Das Leben in Armut, so wird uns hier vermittelt, ist zäh, entbehrungsreich und dennoch erstrebenswert, denn es führt zu Gott. Wie die zur Vermählung erschienene Himmelsschar trägt auch Paupertas einen sie auszeichnenden Nimbus, sie tritt hier also ganz im christlichen Sinne als Tugend in Erscheinung. Das Mittel der Personifikation ermöglicht es Giotto, die Ideale des Ordens anschaulich zu machen. So ist zwar das in der Eheschließung allegorisierte Armutsgelübde zentral, doch ebenso sind Hoffnung und Nächstenliebe wichtige Aspekte der franziskanischen Frömmigkeit und so wohnen auch ihre Personifikationen Spes und Caritas der Eheschließung bei. Paupertas bildet dabei die Verbindung zwischen ihnen und ihrem Bräutigam: Sie ist Franziskus zugewandt, der ihr gerade einen Ring an den Finger steckt, ihre linke Hand weist jedoch zu den beiden theologischen Tugenden.

D. Wagner
Armut mit den Tugenden Spes und Caritas zu ihrer Linken

Neben Paupertas sind nur die beiden anderen Personifikationen Spes (die Hoffnung) und Caritas (die Nächstenliebe) inschriftlich bezeichnet. Armut erhält sogar den Ehrentitel ‚heilig‘, abgekürzt durch das S. für sancta vor Paup[er]tas. Während Spes die Ehe mit ihrem Gestus segnet, reicht die hier mit K geschriebene Caritas dem Brautpaar ihr Herz, den Sitz der Liebe.

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